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KSC Bensheim AKTUELL (2017)


Internationales Frauen-Boxturnier Bensheim / Sparkassen-Cup

Reginald Schulze holt kurz Luft, dann zählt er auf: Frankreich, Italien, Finnland, Niederlande, Belgien, Dänemark, Ungarn, Tschechien, Österreich und Deutschland. „Ich glaube, das sind alle.“ Hört sich nach einem EU-Minigipfel an, ist aber ein Sportevent europäischer Dimension. Vom 30. Juni bis zum 2. Juli findet in Bensheim ein Internationales Frauen-Boxturnier statt. Rund 150 Starterinnen (Frauen, Jugend, Juniorinnen) aus zehn europäischen Ländern werden beim Sparkassen-Cup in acht Gewichtsklassen in der Bensheimer Weststadthalle auf- beziehungsweise zuschlagen. Ausrichter der Veranstaltung ist der KSC Bensheim in Kooperation mit dem Hessischen Boxverband.
„Das ist ein großes Ding“, sagt KSC-Vorsitzender Schulze stolz. Ein Turnier dieses Formats hat der Kampfsportclub in seiner 18jährigen Geschichte bislang noch nicht auf die Beine gestellt. „Das ist nicht nur für uns als Verein etwas Besonderes, sondern für die europäische Frauen-Boxszene insgesamt“, betont Schulze und verweist auf das Feld der Teilnehmerinnen. Gemeldet haben viele hochkarätige Boxerinnen. Etliche WM- und EM-Medaillen-Gewinnerinnen und -Starterinnen sowie nationale Meisterinnen sind für Bensheim gelistet.
Also Amateur-Boxen der Spitzenklasse? Spitzenklasse stimmt, Amateur-Boxen stimmt nicht, klärt Schulze auf. Amateur-Boxen wurde bereits vor geraumer Zeit umbenannt in Olympisches Boxen. Eine Begriffsänderung, die der KSC-Chef begrüßt. „Amateur-Boxen hat sich immer etwas despektierlich angehört, Olympisches Boxen trifft es besser.“
Aus Deutschland mischen einige der besten Olympischen Boxerinnen in Bensheim mit. Nadine Apetz (Köln), WM-Dritte von 2016 in der Klasse bis 69 Kilogramm (Weltergewicht), hat zugesagt. Ebenfalls im Weltergewicht unterwegs ist Irina Schönberger (Olympiastützpunkt Heidelberg), die 2015 den Titel bei der Jugend-EM errang. Annemarie Stark (Rheinfelden), Deutsche Meisterin 2016 und EM-Dritte 2014, steigt im Halbfliegengewicht (bis 48 Kilogramm) in den Ring.
Und auch der KSC schickt eine Boxerin aus dem eigenen Stall ins Rennen. Die 17-jährige Celine March bestreitet in der Jugendklasse U-19 ihren ersten offiziellen Wettkampf, entweder im Halbfliegengewicht (bis 48 Kilogramm) oder im Fliegengewicht (bis 51 Kilogramm). „Das wird sich noch entscheiden“, sagt Schulze, der die junge KSC-Boxerin coacht. Celine trainiert seit Monaten begeistert. „Ich freue mich total darauf“, blickt sie ihrer Premiere erwartungsfroh entgegen. Reginald Schulze lobt Eifer und Fleiß seines Schützlings. „Sie geht einen sehr harten Weg.“
Helen Münch, die zweite KSC-Boxerin, die beim Heimspiel zwischen den Seilen mitwirken wollte, konnte zuletzt verletzungsbedingt kaum trainieren und kann deswegen in der Weststadthalle nicht dabei sein. „Ohne Training macht das keinen Sinn“, begründet Schulze die Absage der Athletin.
Die Durchführung einer Konkurrenz dieser Art erfordert von der KSC-Familie erhöhtes Engagement. Circa 40 der insgesamt 130 Vereinsmitglieder sind während der drei Tage im Dauereinsatz. Extra für das Turnier hat der Club einen neuen, den Wettbewerbsanforderungen entsprechenden Boxring angeschafft. Schulze: „Das war einfach notwendig.“ Das nagelneue Teil liefert die Herstellerfirma direkt in die Weststadthalle und baut es für das Box-Fest erstmals auf.
Der KSC Bensheim möchte den Sparkassen-Cup in der diesjährigen Größenordnung und Internationalität dauerhaft etablieren. „Das Frauen-Boxturnier soll in dieser Form ein fixer Termin im jährlichen Box-Kalender werden“, beschreibt Schulze das Ansinnen. Ein Pluspunkt der Veranstaltung ist die internationale Ausrichtung, meint der Fachmann. „Hier bei uns, mitten in Europa, treffen die Boxerinnen auf Gegnerinnen, gegen die sie sonst nicht so häufig boxen. Das ist für die Sportlerinnen sehr reizvoll.“
Der Startschuss für das Großereignis ertönt am Freitag (30. Juni) um 19 Uhr für die Austragung der Viertelfinal-Kämpfe in allen Gewichtsklassen. Am Samstag (1. Juli, ab 15 Uhr) stehen die Halbfinals auf dem Programm, am Sonntag (2. Juli, ab 10 Uhr) folgen schließlich die Finals. Die Tageskarte kostet 10 Euro, eine Dauerkarte 20 Euro. Reginald Schulze: „Wir hoffen auf viele Zuschauer.“


Kinder sollen sich beim KSC auspowern

Sogar mit therapeutischen Angeboten werden unter anderem Kinder beim KSC Bensheim an den Boxsport herangeführt.

Bensheim. Die kleine Hand des Vierjährigen verschwindet in der großen Pranke von Reginald Schulze. Der 1,86 große und rund 90 Kilogramm schwere Mann, ist nicht zimperlich beim Handshake. „Das spüren die Jungs, und das sollen sie auch.“ Das Händeschütteln zur Begrüßung und Verabschiedung ist obligatorisch beim Box-Training für Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), das der Kampf-Sport-Club (KSC) in Bensheim seit einigen Monaten anbietet.
Der Handschlag ist quasi das erste und letzte Element jeder Trainingseinheit in der KSC-Sporthalle an der Schwanheimer Straße. Der feste und sichere Händedruck verdeutlicht körperliche Überlegenheit, steht aber vor allem für eine starke Persönlichkeit und zieht bei jeder Begegnung aufs Neue klare Grenzen. „Die Kinder müssen schon dadurch merken, dass ihr Gegenüber sein Ding konsequent durchzieht“, unterstreicht Schulze die Bedeutung des Rituals.

Ist die Zeremonie abgeschlossen, geht es weniger förmlich zu. „Nimmst du mich hoch“, fragt der Vierjährige, nachdem seine Hand sich aus der Umklammerung des KSC-Vorsitzenden gelöst hat. Schulze (63) – graue, kurze Haare, grauer Vollbart, grauer Kapuzenpulli, tiefe Stimme – lächelt sanft. „Das lässt sich einrichten.“ Und schon wird der Kleine durch die Luft gewirbelt und landet auf den breiten Schultern des Box-Trainers.

Neben der leistungsorientierten und breitensportlichen Ausrichtung hat der KSC Bensheim, der Verein wurde 1999 gegründet, vor mehr als einem Jahr die Sparte Gesundheitssport in sein Programm aufgenommen. Seit Anfang 2016 hat der KSC das Therapeutische Boxen im Portfolio. Dieses Modell, das vor gut zwei Jahrzehnten an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf entwickelt wurde, ist als begleitende Therapieform bei verschiedenen Krankheitsbildern allgemein anerkannt. Das Training kann bei posttraumatischen Belastungsstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Depressionen oder Burnout zur Anwendung kommen.

Enger Austausch mit Fachleuten

Für Reginald Schulze, der mehrere Fortbildungen zu diesem Thema absolviert hat und lizenzierter Trainer für Thera-Boxen ist, war diese neue Methodik das Startsignal, intensiver über die Möglichkeiten nachzudenken, das Box-Training als Teil der Behandlung bei weiteren psychiatrischen Erkrankungen einzusetzen.
Gemeinsam mit Nicole Maurer, einer ausgebildeten Physiotherapeutin und KSC-Thera-Box-Trainerin, entwarf der erfahrene Coach in etlichen Monaten einen speziellen Trainingsplan für ADHS-Kinder. Dieses Konzept, das im engen Austausch mit Fachleuten ständig ergänzt wird, hat sich der KSC patentieren lassen. „Das ist unser Baby“, betont Schulze stolz. „Wir sind bundesweit der einzige Verein, der so etwas anbietet.“

Das „KSC-Baby“ hat Interesse bei anderen Vereinen aus der Umgebung geweckt. Erste Ausbildungs-Lehrgänge zum Box Coach Thera Boxen ADHS für Interessierte wurden vom Bensheimer Club bereits durchgeführt. „Das wird noch zunehmen“, ist Schulze zuversichtlich.
Das ADHS-Training orientiert sich kindgerecht am klassischen Box-Training. „Die Kinder sollen sich auspowern, es geht nicht darum, technisch sauberes Boxen zu erlernen“, fasst Schulze die Zielrichtung kurz zusammen. Die Übungseinheiten werden in Kleingruppen durchgeführt. Das Training, das für Jungen und Mädchen gleichermaßen therapeutisch sinnvoll ist, wird von zwei Trainern geleitet.
Aktuell sind es sechs Jungen, im Alter von vier bis zehn Jahren, die von zwei Trainern angeleitet werden. Dadurch wird eine individuelle Betreuung ermöglicht. Der Schwerpunkt liegt auf der Schulung von motorischen und kognitiven Fähigkeiten in spielerischer Form. Ein Beispiel: Die Kinder müssen mit ihren Boxhandschuhen den von einem dicken Schutzpanzer eingehüllten Bauch des Trainers bearbeiten, dabei die vorgegebene Anzahl ihrer Schläge laut mitzählen, anschließend eine Runde durch die 500 Quadratmeter große, mit modernen Equipment ausgestattete Trainingshalle rennen und sich wieder in die Reihe einordnen.

Der Spaß kommt nicht zu kurz

Eine Übung, die Bewegung (Schlagen) mit einer Konzentrationsleistung (Zählen) verbindet sowie die Einhaltung von Regeln beinhaltet. Die Einheiten sollen Spaß machen, den jungen Sportlern Erfolgserlebnisse bescheren und zur Steigerung des Selbstwertgefühls beitragen.
Bis die Jungs sich an die Abläufe gewöhnt haben, dauert es einige Übungsstunden. Reginald Schulze ist emphatisch, auf ausufernde Dispute mit seinen Schützlingen, lässt er sich dennoch nicht ein. „Es wird nicht lange diskutiert, es wird gemacht“, lautet sein Credo. Die Atmosphäre im Training ist locker. Es geht spaßig zu, es wird gelacht, die Anweisungen der Trainer werden zügig umgesetzt.
Fangspiele sind besonders beliebt. Nach jedem Übungsblock wird eine Trinkpause eingelegt. Zeit für die jungen Sportler, sich körperlich zu erholen und neue Konzentration aufzubauen.
Ziel ist es, die Kinder aus der ADHS-Thera-Gruppe behutsam in das reguläre Training der KSC-Bambini zu integrieren. Dadurch steigert sich der Umfang von einem Trainingstag pro Woche mit Intensivbetreuung (Schulze: „Mehr lässt sich mit unserm Trainerstab derzeit nicht leisten“) auf drei wöchentliche Einheiten bei den Bambini-Boxern. Erste Integrationen sind auf diesem Weg bereits erfolgreich abgeschlossen worden.

„Selten ruht mein Sohn ganz“

Während der einstündigen Trainingsarbeit beim KSC Bensheim sind die Kinder und ihre Trainer alleine im sogenannten Gym. Die Eltern warten draußen vor der Halle. „Ich kann das Box-Training nur empfehlen“, erzählt eine Mutter, deren Sohn seit knapp zwei Monaten regelmäßig dabei ist.

Ob der Fünfjährige tatsächlich von ADHS betroffen ist, ist noch nicht eindeutig diagnostiziert. Aber aggressives Verhalten, das häufig in Handgreiflichkeiten mündet, treten bei dem Jungen im Umgang mit Gleichaltrigen auf. Im Kontakt mit Erwachsenen testet er ständig seine Grenzen aus. „Wenn der Körper ruht, ist der Geist aktiv. Wenn der Geist ruht, ist der Körper aktiv“, schildert die Mutter die Unrast ihres Sprösslings. „Selten ruht mein Sohn ganz.“

Momente der inneren Ruhe findet das Kind nach dem fordernden Box-Training. „Danach ist er ausgeglichen.“ Es sind Stunden der Erholung – für Kind und für die Eltern. Es gibt keine vergleichbaren Sportarten“ die diese Wirkung erzielen. Wir haben viel ausprobiert, das Box-Training ist ideal.“ Kinderarzt und Ergotherapeut unterstützen das Boxen.

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 11.05.2017


In den Boxring traute sich keiner

Die CDU-Fraktion besichtigte die Trainingshalle des KSC Bensheim und ließ sich über die Vereinarbeit informieren.

© Neu

Bensheim. So ein Besuch bei einem Box-Club lädt zum Scherzen ein: Die Mitglieder der CDU-Fraktion im Bensheimer Stadtparlament dachten bei ihrer Stippvisite in der Sporthalle des KSC Bensheim darüber nach, wer mit wem ein Tänzchen im Ring wagen könnte.

Rico Klos forderte den BA-Fotografen heraus, der mit Verweis auf seine besonderen Kampfsportfähigkeiten (Mikado) warnend den Zeigefinger hob. Carmelo Torre lehnte den Einsatz im Geviert mit einem Griff an seine Sehhilfe ab. „Geht leider nicht, ich bin Brillenträger.“ Fraktionschef Markus Woißyk sah sich „so kurz nach Weihnachten“ wegen der noch anhaltenden Auswirkungen des Festes auf seine körperliche Beweglichkeit außerstande, irgendeine sportliche Betätigung zu verrichten.

Wirklich bereit für einen Fight schien nur Ingrid Schich-Kiefer zu sein. Die Ortsvorsteherin des Ortsbeirates West legte unmittelbar nach ihrer Ankunft in der Halle gleich los. Zunächst testete sie an einer Kraftmaschine mit einem Gewicht (zehn Kilogramm) ihre Oberschenkelmuskulatur, anschließend fuchtelte sie bedrohlich mit einem Boxhandschuh herum. Wohin mit dieser überschüssigen Energie an einem kalten Winterabend? „Die lassen wir Ihnen da“, witzelte Woißyk an Reginald Schulze gewandt. Der KSC-Vorsitzende nickte höflich lächelnd. „Kein Problem.“

Zuschuss von der Stadt

Nachdem sich Ingrid Schich Kiefer ausgetobt hatte und alle möglichen Ring-Konstellationen innerhalb der Fraktion erörtert und dann doch allesamt wieder verworfen wurden, widmeten sich die Politiker dem eigentlichen Grund ihres Gastspiels in der Schwanheimer Straße: Mehr erfahren über den KSC Bensheim, vor Ort und aus erster Hand. Die CDU hatte sich für einen städtischen Zuschuss für den Verein eingesetzt. „Der ist im Haushaltsentwurf eingestellt, jetzt wollen wir sehen, was hier genau gemacht wird“, erklärte der Fraktionsvorsitzende.

Das war der Startschuss für Reginald Schulze über die Geschichte des Kampfsportclubs zu referieren. 1999 wurde der KSC gegründet, zunächst mit einer klaren leistungssportlichen Ausrichtung. Der Club brachte zwei Deutsche Box-Meister (Dimitri Sorokin und Konstantin Airich) und einen Kickbox-Weltmeister (Serge Nurislamov) hervor.

Inzwischen liegt der Schwerpunkt der Vereinsarbeit auf Breiten- und seit kurzem zusätzlich auf Gesundheitssport. Rund 100 Mitglieder hat der Verein, 95 Prozent der Aktiven würden das Box-Training als Fitness-Sport betreiben, berichtete Schulze.

Kinder werden gefördert

Das Angebot reicht von einer Bambini-Gruppe, über eine zwanzig Kopf starke U-18-Mädels-Gruppe bis zu einer Ü-40-Gruppe. Bei den Kleinsten werden im Training vor allem die motorischen Grundlagen gefördert. Schulze: „Früher haben die Kinder diese Fähigkeiten beim Spielen in der Natur gelernt, den heutigen Kids geht das oft ab.“ Die jungen Frauen, die während des Ortstermins eine Trainingseinheit absolvierten, konzentrieren sich auf das Fitness-Training, erlernen aber ebenso die Grundzüge des Boxens. Reginald Schulze, der selbst mehrere Kampfsportarten beherrscht und seit über 30 Jahren als Box-Trainer tätig ist, verwies in seinem Vortrag auf eine der wichtigsten Eigenschaften, die erforderlich ist, um einen Kampfsport zu erlernen: Durchhaltevermögen. „Das lernt man nicht in zwei Wochen, das dauert Jahre.“

Im Boxsport sei zunächst eine zweijährige Grundausbildung nötig, ehe man den Feinschliff angehen könne, erläuterte Schulze. Um Boxen (oder andere Techniken) als Selbstverteidigung einsetzen zu können, würden Körperlichkeit und mentale Härte benötigt. „Ohne diese beiden Faktoren geht das nicht und es braucht Zeit, sich das anzueignen.“ Seit dem vergangenen Jahr bietet der KSC Thera-Boxen für Borderline-, Bornout- oder Depression-Patienten an. Schulze und Nicole Maurer, die wie alle KSC-Coaches unentgeltlich für den Club arbeitet, haben eine Ausbildung zum Thera-Box-Trainer durchlaufen. Zudem hat das Duo ein Trainingskonzept für ADHS-Patienten entwickelt, das demnächst der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Schulze: „Darauf sind wir sehr stolz.“

Ganz sorgenfrei ist der KSC Bensheim nicht. Zwar hat der Club seine angemietete Trainingshalle im vergangenen Jahr umfangreich renoviert, neue Fitnessgeräte gekauft und einen speziellen Sportboden verlegen lassen – „aber die Heizung“, stöhnte Schulze. Das leicht zügige Gebäude lässt sich nur auf 14 bis 15 Grad hochheizen, mehr schafft die Anlage nicht. Eine moderne Heizung, die einen hohen vierstelligen Betrag kosten dürfte, soll möglichst bald installiert werden.

Markus Woißyk bedankte sich für den „sehr interessanten Einblick“. Nach knapp eineinhalb Stunden verließ die CDU-Fraktion geschlossen, also inklusive Ingrid Schich-Kiefer, das Areal des KSC Bensheim.

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 19.01.2017


Zukunftspreis für KSC Bensheim

 

Bensheim/Wiesbaden. Mit seinem Angebot des therapeutischen Boxens hat der Kampfsportclub (KSC) Bensheim einen mit 1000 Euro dotierten Anerkennungspreis im Wettbewerb um den Zukunftspreis des hessischen Sports 2016 gewonnen. Über den Preis freute sich jetzt der KSC mit seinem Vorsitzenden Reginald Schulze (Bild).

Der Zukunftspreis wird jährlich durch den Landessportbund Hessen und die hessische Lotteriegesellschaft ausgeschrieben und von Lotto Hessen mit einem Preisgeld in Höhe von insgesamt 50 000 Euro dotiert. Er richtet sich an Sportvereine, deren Projekte Vorbildcharakter für den Vereinssport und zur Lösung gesellschaftlich wichtiger Fragen haben.

Dass Boxen viel mehr als nur ein Kampfsport ist, beweist der KSC Bensheim schon seit vielen Jahren. Neben dem klassischen Boxtraining bietet der Verein Bambini-, Frauen- und Ü40-Training an. Im Mai 2016 hat der Verein ein ganz neues Angebot in sein Programm aufgenommen: das therapeutische Boxen, kurz Thera-Boxen. Es richtet sich an Personen mit psychischen Problemen und hilft ihnen auf dem Weg zum inneren Ausgleich.

Trainiert wird in Kleingruppen von maximal fünf Personen unter der Leitung von drei speziell ausgebildeten Übungsleitern. Die Nachfrage nach diesem Angebot war von Beginn an hoch und die derzeit vier angebotenen Kurse sind regelmäßig ausgebucht. Während das klassische Boxtraining hauptsächlich auf die Verbesserung der Fitness ausgelegt ist, stehen beim Thera-Boxen das Erleben, Wahrnehmen und Verhalten im Vordergrund. Für Personen mit Burnout, Depressionen oder Borderline-Störungen ist die Boxtherapie daher besonders geeignet, da diese Krankheitsbilder gemeinsam haben, dass ein besonders hoher Grad innerer Anspannung und zugleich geringer Antrieb besteht. Den Betroffenen fällt es schwer, sich zu motivieren und die inneren Spannungen zu lösen. Die Selbsterfahrung und die Mobilisation eigener Kräfte verhelfen im Training zum Abbau von Stress und zur Freisetzung positiver Emotionen. Dies führt zur Stärkung des Selbstwertgefühls, der Durchsetzungsfähigkeit und damit zu einer erheblichen Verbesserung der gesundheitlichen Situation der Teilnehmer.

Das Konzept des KSC Bensheim war der Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Heinz Riesenhuber, Bundesminister a.D., deshalb einen der fünf Anerkennungspreise wert. „Dass uns dieser Preis in Verbindung mit unserer Arbeit verliehen wird, macht den KSC Bensheim schon sehr stolz“, freut sich Nicole Maurer, Übungsleiterin für therapeutisches Boxen.

Der Zukunftspreis des hessischen Sports wurde im Jahr 2005 ins Leben gerufen. Über 100 Vereine hatten sich 2016 für den Preis beworben. Über den mit 15 000 Euro dotierten ersten Platz konnte sich die SG Bad Soden freuen. Der Verein wurde im Rahmen der Olympischen Ballnacht im Wiesbadener Kurhaus für sein inklusives Fußballprojekt ausgezeichnet.

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 19.01.2017


Box-Training als Therapieform

Der KSC Bensheim bietet neuerdings Therapeutisches Boxen an. Was man darunter versteht, konnten Interessierte jetzt bei einer Informationsveranstaltung erfahren.© Neu

 

Bensheim. Der KSC Bensheim hat sein Programm erweitert: Seit dieser Woche bietet der Kraftsportclub Therapeutisches Boxen, kurz Thera-Boxen, in seinen Räumlichkeiten in der Schwanheimer Straße an. Am vergangenen Samstag stellte der Verein sein neues Angebot bei einer Informationsveranstaltung der Öffentlichkeit vor. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thera-Boxen beim KSC.

Was ist Therapeutisches Boxen?

Thera-Boxen kombiniert Elemente aus dem klassischen Boxtraining beispielsweise mit Atemtechniken oder Übungen zur Köperwahrnehmung. „Es hat wenig mit dem herkömmlichen Boxen oder dem Fitnessboxen zu tun“, erklärt Reginald Schulze, KSC-Vorsitzender und Trainer für Thera-Boxen. Sandsack und Doppelendball gehören zwar zum Equipment und werden mit Boxhandschuhen bearbeitet, aber nicht mit dem Ziel, die Schlagkraft zu verbessern, sondern das Gefühl für den eigenen Körper zu schulen, so Schulze weiter. Auspowern zählt ebenso zum Konzept wie das Erlernen eines Weges, der es ermöglicht, nach der körperlichen Belastung schnell zur Ruhe zu kommen.

Seit wann gibt es Therapeutisches Boxen?

Das Konzept wurde Anfang der 1990er Jahre am Zentrum für Psychosoziale Medizin an der Uni-Klinik in Hamburg-Eppendorf entwickelt und wird inzwischen deutschlandweit als begleitende Therapieform eingesetzt.

Für wen kommt Thera-Boxen in Frage?

Es findet in der Praxis Anwendung bei Menschen mit Persönlichkeitsstörungen oder Depressionen. Gleichfalls geeignet ist es für Burnout-Patienten oder bei Posttraumatischen Belastungsstörungen. Das Thera-Boxen sei bei diesen Krankheitsbildern als „ein kleiner Baustein“ einer umfassenden Therapie zu sehen, betont Reginald Schulze.

Wie ist man beim KSC auf das Thera-Boxen gekommen?

Reginald Schulze ist seit über 50 Jahren im Metier unterwegs und stets aufgeschlossen gegenüber neuen Trends. Nachdem er den Begriff des Therapeutischen Boxens „irgendwo zufällig“ aufgeschnappt hatte, wollte er mehr wissen, recherchierte und war fasziniert von dieser neuen Seite des Boxens. Überdies bietet Thera-Boxen die Möglichkeit, die Sportart ganz allgemein aus der „Schmuddelecke“ (Schulze) herauszuholen und dem KSC ein neues „wichtiges und sinnvolles“ Betätigungsfeld zu eröffnen.

Benötigen Thera-Box-Trainer eine besondere Ausbildung?

Ja. Reginald Schulz und sein Trainer-Team, Nicole Maurer und Rene Baguhl, haben unter Anleitung der Diplom-Psychologin Ulrike Angermann eine mehrmonatige Ausbildung am Praxis-Institut für Systemische Traumarbeit, Trauma & Sport in Hannover absolviert. Das KSC-Trio – Schulze, Maurer und Baguhl sind erfahrene Boxtrainer – hat sich laut Schulze vor allem in den psychologischen Teil der Ausbildung „richtig reingefressen“. Für die Supervision des Thera-Boxen beim KSC ist Ulrike Angermann zuständig.

Wie läuft das Thera-Training beim KSC ab?

Trainiert wird in Kleingruppen mit maximal fünf Personen. Das Training beim KSC hat in dieser Woche begonnen. Vier Gruppen – drei Frauen-Gruppen, eine Männer Gruppe – sind an unterschiedlichen Trainingstagen am Start. „Frauen gehen mit ihrer Gesundheit eben sorgsamer um als Männer“, kommentiert Schulze das größere weibliche Interesse. Geübt wird in jeder Gruppe pro Woche eine Stunde lang. Während dieser Zeit ist die Trainingshalle für andere Sportler nicht zugänglich. Ein Kurs dauert drei Monate.

Wie ist die erste Resonanz auf das Thera-Boxen beim KSC?

„Wir sind überrascht“, berichtet Schulze von einem großen Interesse am Thema. In den vier Kursen des KSC sind zum Startschuss in dieser Woche insgesamt noch vier Plätze frei. Die Infoveranstaltung am Samstag, bei der Thera-Boxen in Theorie und Praxis vorgestellt wurde, war gut besucht. eh

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 12.05.2016


KSC Bensheim AKTUELL (2016)

 

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Neustart nach Renovierung

Auch Bürgermeister Rolf Richter (3. v.l.) kam zur Eröffnung der neuen Räume des KSC Bensheim – hier mit Reginald Schulze, Nicole Maurer und Harald Millich (v.l.).© oh

 

Bensheim. Nach umfangreichen Umbau- und Renovierungsarbeiten wurden Trainingshalle und Räume des Boxvereins KSC Bensheim jetzt neu eröffnet. Nach vier intensiven Arbeitswochen präsentieren sich die Räumlichkeiten im neuen Glanz.

Auch personell hat sich einiges geändert. Nicole Maurer, seit 1999 beim KSC, betreut als Physiotherapeutin die aktiven Kämpfer bei den Wettkämpfen. Außerdem ist sie als Trainerin für Thera-Boxen und Frauen-Kickboxen aktiv und wird entsprechende Kurse beim KSC anbieten. Dominik Kühnreich, der neu gewählte sportliche Leiter, trainiert seit 2012 beim KSC und ist Inhaber des C- Trainerscheins. Er leitet das Bambini-Training sowie teilweise das Erwachsenen-Training. Sein sportlicher Werdegang führte ihn von der Kampfkunst „Shotokan-Karate-Do“ zum Boxen.

Ab dem 1. August bietet der KSC einen Ausbildungsplatz zum Sport- und Fitnesskaufmann an. Die sportliche Ausbildung erfolgt durch den Vorsitzenden des KSC, Reginald Schulze, für die kaufmännische Seite zeichnet die Firma „sfh Schumacher Steuerberatungsgesellschaft mbH“ verantwortlich. In der dreijährigen Ausbildungszeit werden auch entsprechende Trainerlizenzen beim Hessischen Box-Verband sowie dem Landessportbund erworben.

Ab dem 12. April startet ein neues Projekt mit einer Infoveranstaltung. „Thera-Boxen – über den Körper zu Emotionen finden“. Diplom-Psychologin Ulrike Angermann wird zu diesem Thema referieren. Bei dieser Trainingsart stehen neben körperlichen Aspekten insbesondere das Erleben, Wahrnehmen und Verhalten im Vordergrund. Weitere Infos hierzu werden noch bekanntgegeben.

Mit sportlichen Veranstaltungen startet der KSC am 20. Februar mit einem Vergleichs-Rückkampf bei den Boxsportfreunden in Mohács, die Bensheimer Boxer treten mit einer verstärkten Mannschaft aus befreundeten Vereinen an.

Am 27. Februar findet der 2. Sparkassen-Cup mit aktiven Boxern des KSC und Teilnehmern aus dem süddeutschen Raum in der Trainingshalle in Bensheim, Schwanheimer Straße 146 statt. red

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 19.01.2016


Boxen für über 40-Jährige

Auf reges Interesse stößt mittlerweile das Angebot „Boxen Ü 40“, das der Kraftsportclub Bensheim nicht nur den Späteinsteigern anbietet. Die Teilnehmer – Männer wie Frauen – sind mit Feuereifer bei der Sache. © Lot

 

Bensheim. „Er wird ein bisschen alt“, frotzelte der Schwergewichtsboxer Bryant Jennings im April über Wladimir Klitschko vor dem Kampf in New York. Der Weltmeister (40) hat gewonnen. Wenn auch glanzlos. Am Alter lag es nicht.

Jennings (30) ist ein Späteinsteiger, boxt erst seit 2010 professionell. Peter Walz ist 70. Lehrer im Ruhestand und fit wie ein Turnschuh. „Boxen kennt kein Alter“, sagt sein Trainingspartner, ebenfalls schon jenseits der 60. Wer eine behäbige Seniorenrunde erwartet hatte, wird beim KSC Bensheim eines besseren belehrt. „Ü 40“ hat der Kraftsportclub sein Angebot genannt. Cheftrainer Reginald Schulze lächelt. „Die meisten sind ein paar Tage drüber.“

Wie das Baby heißt, ist zweitrangig. Mit einem abgestimmten Trainingsprogramm will der KSC all jene ansprechen, die einen sportlichen Ausgleich suchen, aber nicht gleich in den Ring steigen wollen. „Es ist wissenschaftlich erwiesen: Boxen ist das beste Ganzkörperworkout“, so Schulze beim Mastertraining für Einsteiger am vergangenen Dienstag. 90 Minuten Kondition und Technik, Koordination und Beweglichkeit. Die gesamte Körpermuskulatur ist aktiv, die Birne hellwach.

Es geht nicht um Sparring oder Wettkampf, sondern um sogenanntes Leichtkontaktboxen: Im Gegensatz zum Fitnessboxen sind alle klassischen boxerischen Elemente enthalten, doch der „Gegner“ wird nur leicht touchiert. Schulze demonstriert die Kraft des Schlags. Ein leichter Druck. Aber keine leichte Angelegenheit: Die richtige körperliche Entfernung ermöglicht ein softes Treffen im Leichtkontaktmodus. Die Distanz bestimmt die Kraft.

Berührungsängste sind fehl am Platz – und das in doppelter Hinsicht. Sportliche Härte bleibt den Wettkämpfern des KSC vorbehalten. Die älteren Damen und Herren nähern sich dem Boxen auf technische und taktische Weise. Sie lernen die elementaren Facetten der Disziplin kennen, ohne sich ein blaues Auge oder eine gebrochene Nase zu holen. Trainiert werden Grundschläge und Kombinationen, Angriffs- und Verteidigungshandlungen sowie Deckungs- und Meidtechniken. Realitätsnah, aber mit angezogener Handbremse.

Verbessert werden Schnellkraft, Reaktionsvermögen, Maximalkraft und Ausdauer. Ein regelmäßiges Boxtraining bringt vielfältige Anpassungserscheinungen mit sich. Neben dem Auspowern als Ausgleichstraining werden Physis und Psyche gleichermaßen beansprucht. Die Sportler genießen ein ganzheitliches und gesundheitsorientiertes Fitness-, Kraft- und Persönlichkeitstraining. Frauen und Männer haben Spaß am Boxen. Bänker und Steuerberater, Werber und Fahrlehrer – Handwerker und Bürohengste.

Mit Kopf- und Gesichtsschutz

„Früher war mit 38 Schluss“, so Reginald Schulze über das Renteneintrittsalter im Wettkampfbereich. Heute sind die Menschen insgesamt fitter. Das hat auch die Altersgrenzen im Freizeitboxsport erheblich ausgedehnt. Die Voraussetzungen sind gering: „Man muss körperlich an sich wenig mitbringen“, so der Boxexperte, der den Club 1999 mitgegründet hatte. Funktionsfähige Arme und Beine sollten aber schon verfügbar sein. Wenn es zur Sache geht, tragen die Hobbysportler Kopf- und Gesichtsschutz. Vor jeder Einheit werden die Hände bandagiert.

„Die Grundvoraussetzung für ein verletzungsfreies Training“, kommentiert Schulze. Dann erhält jeder Teilnehmer ein paar auf sein Körpergewicht abgestimmte Handschuhe. Deren Gewicht wird in Unzen gemessen. Muhammad Ali hatte acht Unzen. Heutige Profis und Olympioniken tragen in der Regel zehn Unzen. Der KSC legt Wert auf die korrekt ausgeführten Techniken. Deshalb lernen die Trainierenden von Beginn an, „sauber“ zu boxen. Ein ständiges korrigierendes Eingreifen gehört dazu. Lernen live. Keine Massenbewegung mit einem Dirigenten auf der Bühne. Das unterscheidet den Club vom Studio.

Es geht in die nächste Runde. Alle sechs Minuten ein Rollenwechsel. 360 Sekunden können ewig dauern. Nach dem Partner- und dem Stabilisationstraining wird der Sandsack bearbeitet. „Wir trainieren viel mit der schwachen Körperhälfte“, so der Übungsleiter zum physisch wie psychisch ganzheitlichen Anspruch des Projekts.

Auch aus der Medizinischen Trainingstherapie (MTT) werden einige Elemente adaptiert. Am Ende sind die Teilnehmer ausgepowert und entspannt, glücklich und verletzungsfrei. Das wäre auch was für Klitschko nach dem Abschied. Das richtige Alter hätte er ja.

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 18.06.2015


Kampfsportler leisten wichtige soziale Arbeit

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Der KSC Bensheim hatte Vertreter von Vereinen und Organisationen zu einem „runden Tisch“ in seine Vereinshalle eingeladen. © Neu

 

Bensheim. Boxen ist eine alte Sportart, die schon vor unserer Zeitrechnung im Kanon der olympischen Disziplinen auftauchte. Zumindest in Deutschland steht sie allerdings aktuell nicht hoch im Kurs. „Als mein Nachwuchs das Boxen lernen wollte, war ich zunächst erschrocken“, erzählte ein Vater. Seine anfänglichen Vorhalte, der Kampf im Ring habe mit Gewaltbereitschaft und Rüpelhaftigkeit auf der Straße zu tun, habe er beim Blick hinter die KSC-Kulissen schnell revidiert.

 

Reginald Schulze, Vorsitzender des Kampfsportclubs Bensheim, weiß um die Ressentiments. Er müsse viele dicke Bretter bohren, bis es gelinge, seinen mit 80 Mitgliedern kleinen Verein ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu bringen und den sozialen Wert der sportlichen Arbeit zu verdeutlichen. Am Dienstag hatte er Organisationen und Institutionen zu einem „runden Tisch“ eingeladen. Schulze erklärte das Anliegen seiner Initiative ohne Umschweife: Der Verein sucht Netzwerkpartner.

Boxen baue Brücken zu Kindern und Jugendlichen, denen der Start in die Gemeinschaft nur schwer gelinge. Die positiven Resultate konnte der Verein in der Zusammenarbeit mit Streetworkern und sozialen Institutionen mehrfach unter Beweis stellen. Einige der Gäste machten jetzt erstmals einen Schritt in die Vereinshalle an der Schwanheimer Straße, die den Anschein einer Muckibude erweckt.

Boxsäcke an der Decke

Neben diversen Trainingsgeräten gibt es dort eine stattliche Anzahl von Boxsäcken. Viele Gäste, unter ihnen Vertreter der Stadt und von Service-Clubs, nutzten die Chance zu einem Blick hinter die Kulissen. Andere hatten mit dem KSC bereits Kontakt. Schnittstellen gibt es etwa mit dem Förderverein „Sterntaler“, den Volker Beetz ins Leben gerufen hat. Vertreterinnen der Beratungsstelle „Horizonte“ aus Dieburg schauten sich nach Möglichkeiten um, im Rahmen eines Anti-Aggressionstrainings ein Projekt in Kooperation mit dem KSC zu starten. Jugendliche, die mehrfach wegen Gewalt im öffentlichen Raum auffällig geworden sind, könnten hier eine sportliche Plattform finden.

Der Verein, erst vor 14 Jahren aus der Taufe gehoben, verbuchte bereits gute sportliche Erfolge. Zwei Deutsche Meister – 2004 und 2006 – zählt er in seinen Reihen. Die „Eigengewächse“ sind noch heute im Profigeschäft tätig. Der Schwerpunkt liege aber im Breitensport und vor allem in der Jugendarbeit. 60 der 80 Mitglieder sind jünger als 18 Jahre.

Wer boxen lernen will, müsse eine anspruchsvolle Technik erarbeiten. Ein intensives Einzeltraining sei Voraussetzung. „Wir treten in den Übungsstunden mit dem Jugendlichen in engen Kontakt“, erklärte Schulze. Beim Boxen müsse man den Nachwuchs „an die Hand“ nehmen und zu Disziplin, Fairness, Zielstrebigkeit, Fleiß und vor allem Respekt vor dem Gegner führen. Dass man sich in der Boxhalle mit Achtung begegnet, wissen langjährige Mitglieder zu schätzen – der Verwaltungsbeamte ebenso wie der Manager.

Der Verein weist einen bunten gesellschaftlichen Querschnitt auf: sowohl unter dem Aspekt der sozialen Herkunft wie auch der Altersstruktur. Dennoch drückt dem KSC der Schuh. Die zwei Trainer leisten 15 Übungsstunden pro Woche ehrenamtlich. Einer ist Reginald Schulze, der in Personalunion auch den Vorsitz innehat. Hinzu kommt, dass ein finanzielles Polster fehlt, um große Sprünge zu tun. Man organisiere den Betrieb einzig aus Mitgliedsbeiträgen. Zudem stünden personell keine Kapazitäten zur Verfügung, um Netzwerke zu bauen.

„Wir leisten hier Tag für Tag eine wichtige soziale Arbeit“, verwies Reginald Schulze auf die vom Heppenheimer Streetworker vermittelten Jugendlichen oder auf Schüler mit Migrationshintergrund. Dass eine finanzielle Unterstützung von Projekten möglich ist, signalisierten ihm die Service-Organisationen.

Kleinen Vereinen fällt es weitaus schwerer, die nötige Infrastruktur zu stellen, zum Beispiel einen Vereinsbus. Anschaffung und Unterhaltung würden im Verhältnis zu den Einnahmen prozentual hoch zu Buche schlagen. Umso wichtiger seien Netzwerke und Kooperationen mit anderen Vereinen. Reginald Schulze strickt bereits an einem neuen Projekt, mit dem er für junge Leute bessere Voraussetzungen schaffen will, sich zu starken Persönlichkeiten zu entwickeln. Dabei hat er die stilleren Jugendlichen im Visier, die nicht selten Mobbing-Opfer sind. moni

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 28.06.2012


Schlagabtausch gegen den Schulstress

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Stressabbau der besonderen Art: Das Goethe-Gymnasium bietet in Kooperation mit dem KSC in der Mittagspause Boxtraining an. © Neu

 

Bensheim. Was tun Schüler in der Pause nach sechs Stunden anstrengendem Unterricht, dem noch zwei oder auch mal vier weitere folgen werden? „Komm, wir gehen boxen“ heißt es montags zum Beispiel oft bei Nicholas und Oliver oder bei Jessica und Caya. Sie haben nicht etwa die Absicht, eine Schlägerei anzuzetteln oder Kieferknochen und Nasenbeine zu brechen, wie ein landläufiges Vorurteil glauben lässt.

Sie schlüpfen wie rund 20 weitere Schüler des Goethe-Gymnasiums nach dem Mittagessen in Boxhandschuhe und tanken beim Angebot des Kraftsportclubs Bensheim in der Turnhalle neue Energien auf. Die Jugendlichen schlagen sich dabei keineswegs die Köpfe ein.

Fechten mit der Faust

Paarweise tänzeln sie in trippelnden Schritten aufeinander zu, lassen ihren Sportsfreund dabei niemals aus den Augen und hauen die gut gepolsterten Fäuste aneinander. Nach jedem Schlag kehren sie flugs wieder in die Deckung zurück. „Boxen ist wie Fechten mit der Faust“, erklärt ihnen Trainer Peter Walz, Lehrer im Ruhestand. An die oberste Regel, dass man nicht gegen den Körper und vor allem gegen den Kopf des Gegners schlagen darf, halten sich alle in der bunt gemischten Truppe.

„Es ist immer ein Kommen und Gehen von Schülern“, erklärt KSC-Vorsitzender Reginald Schulze. Dabei treffen Fünftklässler auf Abiturienten. „Es ist ein guter taktischer Sport, der mich mehr ins Schwitzen bringt als der Schulsport“, sagt Nicholas und wischt sich die Schweißperlen von der Stirn. Die Bewegung kommt zur richtigen Zeit, um den anstrengenden Unterricht und die Müdigkeit nach dem Mittagessen zu überbrücken.

Oliver betreibt Jiu-Jitsu. Im Bewegungsangebot des Goethe-Gymnasiums sieht er eine gute Chance, neben dem prallgefüllten Schulstundenplan noch ein bisschen mehr Trainingszeit zu nutzen.

„Beim Boxen lässt sich der Schulstress richtig gut abbauen“, findet Jessica. Und selbst wenn Caya in der Mittagspause nur wenig Zeit bleibt, schaut sie in der Turnhalle vorbei. „Boxen erfordert nicht nur eine enorme Disziplin und Fairness, sondern auch Respekt im Miteinander“, erklärt der KSC-Vereinsvorsitzende. Gleichzeitig sei ein hohes Maß an Technik, Kondition und Kraft zu erlernen. Reginald Schulze misst einer Zusammenarbeit mit pädagogischen Institutionen eine große Bedeutung zu.

Auch bei den Älteren beliebt

Als die Mittagsbetreuung des Goethe-Gymnasiums das Sportangebot nachfragte, habe er spontan zugestimmt. „Anfangs haben wir an eine Arbeitsgruppe für die Unterstufenschüler gedacht, die eine Chance haben sollten, ihre angestaute Kraft nach sechs Stunden Sitzen abzubauen“, erklärt Sozialpädagogin Frau Piwonka-Schnaubelt. Erstaunt habe man festgestellt, dass die „Turnstunde“ selbst bei Oberstufenschülern zum Renner wurde. Vereinsvorsitzender Reginald Schulze sieht im Boxen eine große pädagogische Chance.

Man gewinne vor allem Selbstvertrauen und lasse sich im Regelfall nicht mehr auf Provokationen auf der Straße ein. Die Erfahrung habe er nicht zuletzt in einem Projekt in Zusammenarbeit mit dem Streetworker in Heppenheim machen können.

Gewaltbereite Jugendliche würden durch das Boxen nicht noch gewaltbereiter, sondern im Gegenteil: Sie würden sich weitaus eher zurücknehmen. Akzeptanz, Respekt, Toleranz und Verständnis seien wichtige Säulen im Training.

Im Februar startete der KSC das Boxprojekt mit dem Goethe-Gymnasium. Zudem engagiert sich der Verein an der Kirchbergschule. Er schenkte den Schülern einen Box-Sack und will dort mit einem Programm zum Abbau von Aggressionen starten. moni

© Bergsträßer Anzeiger, Mittwoch, 06.06.2012


Verein mit Boxern aus 21 Nationen

Bensheim. Der Kampfsportclub Bensheim feiert sein zehnjähriges Bestehen. Angefangen hat alles in einem kleinen Kellerraum in der Wilhelmstraße. Dort wurde 1999 der Verein gegründet. Die Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen wurden aus terminlichen Gründen auf den Januar 2010 verlegt. Eingeladen hatte der Verein in die Halle in der Schwanheimer Straße, wo seit 2007 geboxt wird.

Der KSC Bensheim zählt aktuell rund 80 Mitglieder, wovon etwa 50 dem Jugendbereich angehören. „Das Jugendtraining ist sehr stark besucht“, freute sich Vorstandsmitglied Karl-Heinz Baumgartner. Momentan hat der Verein keine eigene Mannschaft am Start, die Boxer trainieren aber regelmäßig und besuchen Kampfabende anderer Vereine. Sportler aus bis zu 21 Nationen haben schon in Bensheim geboxt. Eine gelungene Integration von Boxern anderer Herkunft ist den Verantwortlichen sehr wichtig. Respekt, Toleranz und Fairness stehen beim KSC immer im Vordergrund.

In seiner bewegten Geschichte hat der KSC Bensheim einige Talente ausgebildet, die zum Teil heute im Profibereich aktiv sind. Zwei Deutsche Meisterschaften und ein Weltmeistertitel im Kick-Boxen konnten gefeiert werden. Marco Grund, Dimitri Sorokin und Reno Stöckmann wechselten mit 14 Jahren ins Internat des Olympiastützpunktes in Heidelberg. Konstantin Airich ist Profiboxer in einem Hamburger Boxcamp.

Die erfolgreiche Nachwuchsarbeit führt das Gründungsmitglied Baumgartner vor allem auf das Einfühlungsvermögen Reginald Schulzes zurück: „Er hat ein gutes Gespür für junge Talente“, so Baumgartner über den umtriebigen Trainer und leidenschaftlichen Boxer, der auch heute noch ab und an in den Ring steigt. das

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 02.02.2010